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Island Trekking - Tour 1 / Tour 2

 

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Tour 1:

Laugavegur - Island 2006

Von Pörsmörk nach Landmannalaugar - 4 Tage

 

 

Wer mich etwas besser kennt oder schon ein wenig auf dieser Homesite herumgestöbert hat weiss, dass ich ein Jahr in Alaska gelebt habe, dort Schlittenhunde trainiert habe und es mich ziemlich erwischt hat. Es war schön, hat mir sehr gut gefallen!  

 

Wer es selbst noch nicht richtig erlebt hat, sollte dies schleunigst noch nachholen. Wetter hin oder her. Der Norden hat`s echt in sich.

 

Nun gut, es sind schon einige Jahre  seither vergangen und ich habe mich unterdessen auch mit dem Süden angefreundet, wie zum Beispiel Marokko oder Korsika, was mir auch ausserordentlich gut gefällt.

 

Schon lange bevor wir die Reise nach Island gebucht haben, wollte ich wieder einmal so richtig mit Zelt und Rucksack losziehen. Raus in die Natur, einfach in den hohen Norden.

Nur mit dem Allerwichtigsten dabei, um Gewicht zu sparen… das nächste Mal wird`s dann noch ein bisschen weniger, beziehungsweise leichter…„(ja ja Du Rucksackeli, von Dir spreche ich, schämen solltest du dich, mich soooo viel schleppen zu lassen!)“

 

Ich muss ehrlich gestehen, der Rucksack hat mir zum Teil schon Schmerzen an den Schultern verursacht. Ein gutes Training vor einem strengen Trekking schadet daher sicherlich nicht. Insgesamt hatte ich dann doch 25 Kilogramm am Rücken, was bei einer Körpergrösse von 1,70…na ja „Härte Siech“…schliesslich :-)

 

Wie gesagt, das nächste Trekking dann mit etwas leichterem Gepäck. Natürlich fängt das schon bei der Fotoausrüstung, Stativ und schweren Objektiven an.

 

Bei unserer Nahrung haben wir nicht gespart. Schokolade war unser grösster Powerlieferant, dazu kam zum Morgenessen ein isländisches Birchermüeslimix, chinesische Nüdelisuppe zum Mittag oder sonst Mal zwischendurch und dann zum Abendessen fixfertige Trockennahrung die „himmlisch“ schmeckte, die wirklich unglaublich gut war.

 

Zum Beispiel: Reis mit Gemüse, Nüdeli mit Käse, gescheibelte Kartoffeln und so weiter. Dabei mussten wir nur Wasser aufkochen, in den Beutel giessen, fünf Minuten warten und fertig war unser Essen.

 

Ich werde jedoch bei der nächsten Reise auch dort konsequenter auf das Gewicht achten. Hochdosierte, dafür leichte Powerlireferanten für zwischendurch und am Morgen. Wir haben so viel Nahrungsrreserve mitgeschleppt, dass wir fast doppelt so lange, also fast 14 Tage unterwegs hätten sein können.

 

Das Abendessen bleibt wie gehabt!  Eine warme Mahlzeit muss einfach sein und ist die Belohnung eines doch recht anstrengenden Tages.

 

Auf einer Islandreise, beziehungsweise Trekking Tour, fernab jeglicher Zivilisation sollten jedenfalls gute Klamotten mit dabei sein. In unserem Falle, hatten wir auch alles in zweifacher Ausführung. Wie Flieshosen, Fliesjacken, Atmungsaktive Unterwäsche usw. Damit der zweite Satz an Kleidung trocken blieb, packten wir diese in spezielle wasserdichte Packsäcke, auf die ich niemals mehr verzichten würde!

 

Es ist das Highlight des Tages ist, wenn Du am Ende der Strecke  Dein wasserfestes Zelt aufstellst und in Deine trockenen Klamotten und  Deinen Schlafsack kriechen kannst…und der Kocher vor sich hinsummt , das ist wie Yoga, wie Meditation „OOOMMM“ (darum macht man ja so eine Reise.)

 

Auch denn Schlafsack hatten wir in einem wasserdichten Packsack gut verstaut. Klar: Gute Gore-/Sympatex Jacke und Hose sind auch mit dabei.

 

Sicherheitshalber hatten wir ein GPS und ein Mini B300 - Notsender mit dabei (Achtung: Mini B 300 Frenquenz wird ab Januar 2008 nicht mehr empfangen, also ein anderes Gerät kaufen!)

 

Aber jetzt nochmals von Anfang an.

 

Diana  meine Freundin und ich planten einen Monat Island. Insgesamt drei Touren. Zwei zu Fuss total ca 190 Km und eine, die letzte mit dem Auto. Wir setzen uns mit dieser Reise gut sechs Monate im Voraus auseinander, um auch an alle nötigen Infos zu gelangen.

 

Tour 1: Laugavegur
Tour 2: Kjavelgur
Tour 3: Die Ringstrasse

 

Am 12 Juli 2006 ging`s dann von Zürich nach Reykjavik los. Die Flugreise „nordwärts“ dauerte knappe 4 ,5 Stunden. Die Landung erfolgte um 01.00 nachts (dies war in Island jedoch kein Problem, da es eh die ganze Nacht hell ist).

 

Nach einer neunzig minütigen Busfahrt, kamen wir 03.00 h, bei strömenden Regen beim Camping in Rekjavik an. Fünfzig Meter neben dem Campingplatz hatte es eine Jugendherberge.

 

Diana und ich schauten uns an und es war klar, wo wir die Nacht verbringen werden. Ganz klar, völlig klar! Die Jugendherberge war schliesslich komplett ausgebucht! Komisch, dabei Regnete es ja nur?

 

Da wir aber im Zeltaufstellen unterdessen Profis sind, dauerte diese Procedere maximal 5 Minuten. Bis wir dann bequem im Zelt sassen, höchstens acht… und wenn es regnet hast man sowieso den „Volldrive“ drauf und alles geht „ratzfatz“ ohne noch gross zu fackeln. 
 
Um 03.45 war es dann nur noch ruhig im Zelt. Die Tagwache am nächsten Morgen war um 09.00. Am Tag 2 hiess es dann Grosseinkauf der Nahrung und im Zelt die Futterrationen sortieren und abpacken. Was wird wann, mit was, wie viel verspeist.
Diana im Zelt

 


Bis es am Tag drei dann so richtig losgehen durfte! Die erste Tour startete in Pörsmörk und endete in Landmannalaugar. 


Tag 1

Um an den Ausganspunkt des Trekks zu gelangen, fuhren wir mit einem 4x4 Reisebus dorthin. Die Anfahrt von Reykjavik dauerte ca. zwei Stunden bis wir schliesslich in Pörsmörk waren.

Die Anfahrt dorthin verlief die erste Stunde ziemlich ruhig, bis es dann mit dem 4x4 Bus über Schotterpisten weiterging. Spätestens als wir mit dem Bus vor einem riesigen, tiefen Fluss standen war uns klar, wieso es hier draussen in Island 4x4 Busse gibt.

 

Bevor wir diesen selbst überqueren konnten, wurde noch kurzerhand ein 4x4 Pickup aus dem Wasser gezogen der mitten im reissenden Fluss steckengeblieben ist. „Huch“ dachten wir, und da sollen wir jetzt wirklich mit einem Bus durch? Na „buona notte"!

 

Um 13.00 kamen wir schliesslich auf dem Camping in Pörsmörk an. Eine Wiese, eine kleine Beiz. Mehr gibt es dort nicht! Bevor wir die erste Etappe in Angriff nahmen, gab es zur Stärkung noch eine warme Suppe.

 

Von da an galt es ernst! Wir waren auf der bekannten Route „Laugavegur“. Der Rucksack am Rücken, die Wanderschuhe festgezurrt, die Wanderstöcke fest im Griff. Vom Camping aus ging es gerade einmal 200 Meter gerade aus, bevor es steil einen Hang hinauf ging.

 

Am Fusse dieses Hügels machten wir dann schon unsere erste Furt. Das bedeutet: Den schweren Rucksack abstellen, Wanderschuhe ausziehen, Wanderschuhe an deinen Rucksack binden, Sandalen oder Turnschuhe an deine Füsse montieren, Rucksack wieder „buckeln“ und rein ins kühle Nass.

 

Meistens  waren es Gletscherflüsse, die wir überquerten und diese sind entweder „saukalt“ oder „verdammt saukalt“, von zwei bis fünf Grad. Na gut, bei so viel Gepäck schleppen, tut die Abkühlung manchmal auch recht gut.

 

Wenn du dann auf der gegenüberliegende Seite angekommen bist, machst du einen „Urschrei“ …, stellst deinen Rucksack wieder hin, Turnschuhe wieder weg, Füsse trocknen, Wanderschuhe an. Turnschuhe wieder verstauen, Rucksack wieder „buckeln“ und weiter geht es…:-)

 

Wenn wir Glück hatten, war es die letzte Furt des Tages gewesen! Wenn nicht, folgte schon nach der nächsten Biegung wieder eine und dann vieleicht nochmals eine.

Auf beiden Touren überquerten wir ca. zwanzig Flüsse… bei einem grossen Fluss mussten wir dann die Tour abbrechen, beziehungsweise den Plan ändern, aber dazu später!

 

Nun hier,  ist Diana nach Ihrer ersten Furt… überhaupt in ihrem Leben, die erste Furt!

Furt

 


Da wir uns an die Empfehlung hielten, nicht auf dem  „Laugavegur“ wild zu campieren, sondern nur bei den Hütten, war der Weg bis zur nächsten recht lang.

 

Wild campieren solltest du nur im äussersten Notfall oder wenn du wirklich vor müdigkeit nicht mehr weiterkannst.

 

Im restlichen Island kann man überall wild campieren, sofern es nicht ein privates Grundstück ist, kein Naturschutzgebiet oder Nationalpark. Bei privaten Grundstücken, fragst du um Erlaubnis beim Landwirte oder dem Eigentümer.

 

Unterwegs dort sahen wir immer wieder fremd anmutende, mit Moos bewachse Canions. Landschaftlich alles sehr speziell, wunderschön, ruhig, einsam, abwechslungsreich schon am ersten Tag.

Moose  

 


Es ging auf und ab. Über Hügel, über Geröll, kleine Flüsse. Die Hütte wollte und wollte nicht erscheinen, meine Zunge schon fast am Boden, bis wir sie schliesslich weit hinten am Horizont erkennen konnten.

 

Machten wir einmal Rast, blieb der Rucksack einfach am Rücken. Alles andere wäre viel zu anstrengend gewesen.

Und endlich, Abends um 20.00 waren wir bei der Hütte „Emstrur“.

 

Tag 2

Am folgenden Tag, gings dann nach unserem kleinen Frühstück wieder weiter. Hinauf auf eine Anhöhe  mit Sicht auf eine wunderschöne Bergwelt im Hintergrund und vor uns eine grosse Steinwüste. Bizzar und fremd. Du hast fast das Gefühl auf dem Mond gelandet zu sein.

 

Wüste Emstrur


Der Weg windet sich durch eine kleine Schlucht, bis wir uns schlussendlich auf einer riesigen Steinwüste wiederfinden und wir komplett überqueren müssen. Acht Kilometer alles flach. Fadengerade. Diese Steinwüste zu überqueren war etwas vom m ühsamsten und zermürbendsten überhaupt, auch wenn acht Kilometer nach recht wenig tönt.

 

Wüste

 

Und kurz vor der Hütte und Camping gab`s noch ein kleines Desserchen, sozusagen um den Tag noch ein wenig zu versüssen, eine riesen Furt.

 

Wir kommen am Tag 2 bei der Hütte Hvangill an. Das Zelt plazierten wir in einem der vielen kleinen runden Steinwälle, der uns noch ein wenig gegen den aufkommenden Wind schützte. 

 

Hvangill

 

Tag 3

Wir verlassen Hvangill furt kurz hintereinander 3 kleinere Flüsse, passieren die Hütte Alftavatn die an einem kleinen schönen See liegt. Es ist schon ca 16.00 aber noch zu wenig müde um schon wieder zu campieren, wir sind cirka 3 Stunden unterwegs.

 

Die Motivation noch heute die nächste Hütte zu erreichen ist gross, die Strecke vor uns noch grösser...

 

Wir furten nochmals kurz, bevor wir einen höheren Pass erklimmen. Die Aussicht verändert sich mit jedem Schritt. Es zieht ein leichter Nebel auf. Diana und ich sind nahe einer Hungerrast und entscheiden uns kurzerhand eine kleine Rast einzulegen und eine chinesische Nüdelisuppe zu kochen.

Und das war unsere Aussicht die wir dabei hatten.

Alftavatn



 

Wir passierten Rauchsäulen und Löcher in denen es blubbert und brodelt. Es riecht nach Schwefel oder faulen Eiern. Die Landschaft und deren Farbe veränderte sich andauernd wieder. Von rot bis gelb und grün. Vielerorts raucht`s und zischt`s aus allen Löchern.

 

Es ist schon spät. Wir fotogafieren und staunen über die schöne und spezielle Landschaft. Den Druck im Nacken, die nächste Hütte „Hraftinusker“ zu erreichen, lässt uns dann schlussendlich weitermarschieren.

 

Wir sind todmüde und sehnen uns endlich nach unserem Rastplatz.  Wir gehen über Schneefelder, Stein, Geröll und Riesenmoose. Die Hütte will und will einfach nicht erreicht werden. Mit dem Feldstecher die Gegend absuchend, noch weit weg von uns, sehen wir diese endlich. Weit oben auf einem Hügel!

 

Kaum haben wir die Hütte gesichtet, entschieden wir uns kurzerhand das Zelt an Ort und aufzustellen. Wie aus einem Munde geschossen sagen wir beide Nein, genug! Wir campieren jetzt wild. Das war fast eine Notfallsituation...-
Wild Camieren


 

So sieht also wild Campen aus... wenn Sie ganz genau hinschauen finden Sie unser kleines gelbe Zelt in der Mitte diese Bildes?

Hraftinusker


 

Nach dem Kochen, geht eigentlich jeder halbweggs normale Mensch nach so einem Mordsmarsch in die Federn… die Landschaft war jedoch so schön, das Licht so speziell und einfach noch hell, dass ich einfach keine Lust zum schlafen hatte. Klar, müde war ich schon.

 

Es war bereits 23.00 und ich spazierte jetzt ausnahmsweise ohne Rucksack in der Gegend rum auf einen naheliegenden kleinen Hügel mit Aussicht auf dieses Szenario:Rauch

 


Tag 4

Am nächsten Tag, nach richtigem Ausschlafen, brechen wir auf zur letzen Etappe dieser Tour Richtung Landmannalaugar. Nach einer guten Stunde  erreichen wir die eigentlich schon gestern angepeilte Hütte Hraftinusker. Machen dort noch eine kurze Rast und kochen Tee.

 

Die Landschaft führt uns über einen steinigen Weg, entlang einer Krete in Richtung Norden. Wir passieren wieder Löcher mit brodelndem heissen Wasser und kleinen Bächen die heisses Wasser führen.

 

In Richtung Landmannalaugar wird die Landschaft sehr abwechslungsreich. Berge, Flüsse. In dieser Gegend merkt man wie Island noch „lebt“. Nach der letzten Biegung, den Berg hinunterkommend, blicken wir auf  ein riesiges Lavafeld, fast so gross wie zehn Fussballfelder.

 

Ein atemberaubendes, beeindruckendes  Szenario. Weit  hinten nach dem Lavafeld, erblicken wir endlich die Zelte von  „Landmannalaugar“ .

 

Wir winden uns die letzten Meter zu den Lavafeldern hinunter und durchqueren diese. Ein richtiges Labyrinth von Wegen kreuz und quer. Es hat jetzt auch wieder viel mehr Touristen hier. Die Gegend ist jedoch so grandios, dass die Menschen nur noch sehr klein wirken.

Landmannalaugar

 


Wir stehen vor dem Campinplatz von Landmannalaugar. Das ist kein Dorf. Das ist lediglich ein Zeltplatz mit einem grösseren Gebäude, wo du deine Klamotten trocknen kannst und dir eine warme Dusche gönnst.

 

Es hat auch keine „Beiz“ lediglich zwei alte Busse. Der eine ist der Kiosk und der andere gilt als Sitz- und Schutzplatz, wenn es mal in Strömen regnet.

 

Bus Kiosk

 

Ja, Landmannalaugar, auch wenn es zum Teil regnete ist uns in super guter Erinnerung. Das ist ein Platz der richtig speziellen „Traveller“ Stimmung. Ein Kommen und Gehen. Viele Zelte, Menschen. Die einen sind wie wir erst gerade angekommen, abgelatscht und müde, die anderen sind noch „frisch“  und voller Motivation und freudiger Nervosität auf ihren bevorstehenden Trip.

 

Zelt Landmannalaugar

Du triffst dort viele Leute. Man erzählt sich Vieles, „Hey, wohin gehst du? Was machst du? Von wo kommst du“? Man hat sich auch was zu erzählen, spannend und mulitkulti, die Menschen kommen aus fast Allerwelt.

 

Und natürlich und hier speziell zu erwähnen, die heissen natürlichen Quellen von Landmannalaugar. Hundert  Meter vom Campingplatz läuft siedend heisses Wasser den Berg hinab und mischt sich mit dem eiszapfenkalten Wasser eines kleinen Flusses.

 

Der Hit. Da läufst du voll bekleidet mit deinen Wanderschuhen über diesen Steg bis zu dieser Quelle hin, ziehst dich bei Nieselregen aus und steigst in dieses warme Wasser. Du spürst immer noch diese Müdigkeit von deinem grossen Fussmarsch und liegst und planschst nun jetzt in diesem Wasser. Unbeschreiblich! Leben pur!

Bad

 

 

auch kein Problem wenn`s mal "schiffet"

 

Diana Bad

 

Immer wieder, wenn wir diese Geschichte von Island, von diesen Fussmärschen, diesen Wahnsinnslandschaften, der Ruhe… ja, auch auch von den Strapazen erzählen, kriegen viele Menschen feuchte Augen. Die meisten sagen, ja genau das ist, was ich doch auch schon so lange machen möchte.

 

Vielleicht kennen Sie das und wünschen sich schon so lange doch auch mal so etwas zu tun und verschieben und verschieben und verschieben es immer wieder… und wissen eigentlich auch nicht so genau wieso sie es verschieben?

 

Tun sie es, Sie werden es nicht wieder vergessen.

 

… oder lesen Sie hier weiter und kommen Sie mit uns auf die nächste 7 Tages Tour.

 

 

 

Tour 2:

Kjavelgur - Island 2006

Von Geysir nach Kerlingarfjöll - 7 Tage

 


Tag 1

Wieder mit einem 4x4 Bus sind wir von Landmannalaugar nach Geysir gefahren. Und wieder ziehen bizzarste Landschaften an uns vorbei . Wir überqueren viele Flüsse mit dem Bus, fahren über Schotterpisten und Lavafelder. Einfach grandios und spannend!

 

Unsere zweite Tour beginnt nun in Geysir. Geysir ist sehr touristisch. Ein kleiner Tages oder Zweitagesstopp dort hin lohnt sich aber auf jeden Fall. Der Geysir Strokkur, der eine Dampf und Wassersäule alle 15 Minuten in die Höhe von 15-20m speit ist ein beeindruckendes und schönes Naturschauspiel.

 

Den fünf Kilometer nördlich gelegenen Wasserfall Gulfoss zu sehen, lassen wir uns natürlich auch nicht entgehen und machen und auf den Weg dorthin.

 

So jetzt wird einmal so richtig die Karte der Gegend studiert und merken erst jetzt das vom Gulfoss aus gar keine Brücke über den riesen Fluss „Hvita“ führt, so das wir gezwungen sind, die Strecke wieder zurück nach Gesyr zu laufen , bis wir dann schliesslich eine Brücke passieren konnten um auf der östlichen Seite der „Hvita“ zu starten.

 

Unsere geplante Route bezeichnet man als „Kjavelgur“, ein seit jeher berittener kleiner Pfad der auch auf der Karte eingezeichnet ist.

Kurz nach der Brücke gibt eine kurze Rast um die Aussicht zu geniessen.

Bauernhof  

 


Und wie fast meistens in Island`s Hochland geht es auf und ab, wir wandern über eine kleine Schotterpiste. Und finden nach cirka zehn Kilometern unseren ersten Schlafplatz. Da wir nach langem Suchen keinen ebenen Platz fanden, entschieden wir uns für die Stelle, die mit riesengrossen Moosen bewachsen war.

 

Nur zähneknirschend war es für mich dann schliesslich dann auch ok hier zu übernachten. Denn ich hasse unebene Schlafplätze. Die Riesenmoose wirkten jedoch wie ein Luftkissen an Gesäss und Rücken und es war sehr bequem.

Diana Moose  

 


Noch schnell Wasser holen und schon konnte es mit dem Kochen losgehen.

 

Tag 2

Um 09.00 ist bereits wieder das ganze Material im Rucksack verstaut und marschieren noch ca. 2 Kilometerauf der Piste. Wir suchen den Einstieg um auf den Trampelpfad zu gelangen und passieren dann definitiv die Grenze zur Wildnis.

Wildniss  


 
Der Weg immer noch nicht auffindbar, wie auch die nächsten 6 Tage nicht orientieren wir uns einfach an der Quasi Richtung, das heisst in unserem Falle Norden, in Richtung Hütte Heravellier. Selbstverständlich immer mit Blick auf die Karte.

Wir übernachten auf einem grossen Schotterhügel mit 360° Sicht. Bei der Vorbereitung des Nachtessens fiel noch unser Benzinkocher teilweise aus. Da er nur noch auf grosser Flamme funktionierte, verbrauchte so unnötig, das dringend gebrauchte Reinbenzin.

Kocher

 

 

Der Kocher musste vollständig auseinander genommen gereinigt, gerade gebogen und wieder zusammengesetzt werden. Und siehe da, die Flamme war wieder so, wie sie sein musste.

 

 

Gekocht haben wir immer draussen, da wir mit dem Wetter auch fast immer Glück hatten. Hätte es tagelang geregnet, wäre das ein wenig schwieriger geworden, denn mit einem Benzinkocher solltest du im Zelt sehr vorsichtig umgehen, um dir nicht dein eigenes Zelt abzufackeln, da es beim Vorbrennen auch mal eine kleine Stichflamme geben kann.

 

Wer auf der ganz sicheren Seite stehen, will hat einen kleinen Gaskocher mit dabei, bei diesem kannst Du in Flamme kontrolliert und präzise einstellen.

Nun gings ans Kochen, Pasta mit Käse.

Meistens nach dem Essen hatte ich noch recht kalt und schlotterte noch im Schlafsack ein wenig vor mich hin, Diana hatte warm? Komisch!


Tag 3

Am nächsten Morgen dann, als wir das Zelt ausräumten, musste ich jeweils noch meine Schlafmatte zum Trocknen auslegen. Sie war von unten tropfnass. Dianas Seite trocken. Habe ich alleFeuchtigkeit auf meine Seite gezogen, weil ich schwerer als Diana bin? Spätestens als wir auf Schotter übernachteten wussten wir, dass es nicht so sein konnte. Hatte ich Fieber vor lauter Anstrengung bekommen.

 

Wir wussten es nicht, aber so im Nachhinein muss ich sagen, dass es doch so sein musste. Auch, dass ich jeweils am Abend immer leicht anfing zu frieren.

 

Vom unserem Reiterweg „Kjavelgur“ war immer noch weit und breit keine Sicht. Keine Spur, kein Trampelpfad, kein Anzeichen eines irgendetwas, dass schon irgendjemand überhaupt schon hierdurch gekommen ist. Ausser Schafswege, die sich immer wieder im Nichts auflösen. Aber uns ist das eh egal, aus diesem Grund machen wir ja eine Tour, damit es noch ein wenig spannend bleibt und wir niemandem begegnen.

 

Wir stolpern mit unseren schweren Rücksäcken über Sumpf und Moos. Treten wir mal nicht auf ein Moosfleck, so matscht es gewaltig unter den Füssen. So ging das eine ganze Stunde, bis wir keuchend und fluchend wieder ein wenig festeren Boden unter unseren Füssen hatten.


Noch zwei Stunden und wir sind bei der Hütte Svinarness angekommen.

 

Aber nein, ist doch kein Problem… direkt vor der Hütte noch kurz einen Fluss zu überqueren, die Detailbeschreibung dieses „Procedere“  wurde schon am Anfang der ersten Tour genau beschrieben.

Furten

 

Zum Glück wussten wir noch nicht genau, was uns am nächsten Morgen kurz nach Aufbruch erwartet.

Diana Furt

 

 

Nun stehen wir endlich vor der Hütte Svinarness. Wir sind in der völligen Einsamkeit. Neben der Hütte steht ein klitzekleines Hüttchen, ein WC mit einem kleinen Wasserhahn drin. Kurzentschlossen entschied ich mich zu einem Waschgang mit eiszakaltem Wasser. Draussen ist es bewölkt und recht windig und es rüttelt und schüttelt an diesem kleinen Holzhaus.

  

Ich fühle mich nach dem Waschgang wie neugeboren.
Die geräumige Hütte, wäre für Wanderer nutzbar gewesen, es hatte sogar eine Kochnische, Betten, Stühle und Tisch. Wir bevorzugten unser Zelt. Es ist wunderschön ein Zelt dabei zu haben, das auch wenn es draussen stürmt und regnet noch hält. Es ist eine kleine Welt für sich, vollgestopft mit Material.

Da unser Zelt gelb war, hatten wir auch bei Regenwetter ständig das Gefühl, es herrsche  schönes Wetter. Es gibt auch Zelte in grüner Farbe. Klar fällt man da weniger auf und ist farblich in der Natur netter eingebettet. Ich würde jedenfalls nicht wechseln!  Gelb vermittelt Wärme und Trockenheit, das merkts du spätestens, wenn du einmal zwei Tage im Zelt verbracht hast, weil es draussen so richtig ungemütlich ist.

 

Sogar Spielkarten hatten wir dabei und haben „Tschau Sepp“ gespielt.

Diana hat das ganz frisch von mir erlernt und gewonnen und gewonnen und gewonnen, so das ich letztendlich dann doch nicht mehr spielen wollte.  Auf die nächste Reise kommt nur noch ein dickes Buch mit und die Karten bleiben zu Hause.

 

Der kann mich doch mal dieser „Sepp“. Nein ich bin ein guter Verlierer und überhaupt nicht ehrgeizig!… Ich habe deswegen sogar schon einmal jede Karte einzeln zerrissen… vor lauter Freude, damit ich am nächsten Tag wieder zwei neue Kartensets kaufen konnte, damit das Spiel weitergehen konnte. Ich hätte es besser gelassen. Da war ich noch ein bisschen jünger und das war an einem anderen Ort auf dieser Welt...

 


Tag 4

Wir brechen am nächsten Tag auf in direkte Richtung der letzten Etappe zur Hütte von Hveravellir und deren heissen Quellen. Wir sehen oftmals Schafe, in kleinen Ansammlungen, keine grossen Herde, wie in früheren Zeiten wo es in Island noch tausende von Schafen gab. Es gibt noch sehr viele, jedeoch keine wirklich grossen Herden.

 

Wir kommen sehr gut voran und sind motiviert. Das Wandern und Tragen des Rucksacks hat unsere Kondition und Kraft verbessert. Wir wissen, dass die Hütte nur noch cirka zwei Stunden entfernt vor uns liegt. Mit freudiger Erwartung dort anzukommen,entscheiden wir uns diese noch heute zu erreichen.

 

Die Gegend hier ist sehr karg. Wir gehen viel über Schotter, Moose, Schotter, Schotter und wieder Schotter. Keine Menschenseele weit und breit. Genau so gefällt uns das. Teilweise stundenlang ohne Reden, ist jeder ganz bei sich. Links von uns der Gletscher Vatnatjökull. Berge, Hügel... imposant.

 

Unterwegs immer wieder hübsche Blumen.

Blume

 

 

Es ist bereits 17.00, bewölkt mit Nieselregen. Schritt für Schritt kommen wir dem Ziel entgegen. Wir marschieren noch über einen kleinen Hügel und sehen zu unseren Füssen einen recht grossen Fluss. Den Jökkufall.

 

Huch... Ach Du Schreck, das ist jetzt aber ein grosser Fluss!

Jökufall

 

Upps, diesen Fluss müssen wir jetzt überqueren? Wir studieren die Karte. Weiter unten, weiter oben, nichts markiert, nichts eingezeichnet. Es hat keine Brücke!

 

Ok, nach kurzem Schauen wo die beste Stelle sein könnte, legen wir los!

Der Fluss besteht aus drei bis vier Armen, ich gehe voran, überquere den ersten Arm und mache kurz halt auf einer Kiesbank. Hinter mir Diana, die noch im Wasser steht. Ich lotse sie so gut es geht. Geschafft, wir sind beide auf der ersten Kiesbank.

 

Vor uns der nächste Arm, saukalt, ich nimm den ersten Tritt und stehe dann schon bald mitten im Fluss. Du siehst überhaupt nicht wohin du trittst, das Gletscherwasser ist total trübe. Keine Ahnung auf was du trittst, Vorsicht ist geboten, der Fluss reisst ziemlich en meinen Beine. Achtung, den Rucksack schön in Balance halten. Nicht das alles im Wasser landet.

 

Mit den Stöcken und breitbeinig taste ich mich vorwärts. Das Wasser in der Höhe meiner Oberschenkel und schaffe den zweiten Arm.

 

Ich mache mir ein wenig sorgen um meine Freundin Diana. Etwas kleiner und zwanzig Kilogramm leichter als ich. Das Wasser kommt ihr dementsprechend höher und der Fluss reisst auch fest an ihr. Sie kämpft sich durch das Wasser und erreicht schliesslich die Bank, auf der ich stehe. Unsere Füsse sind schon beinahe Eiszapfen geworden.

 

Vor uns der dritte und letzte Arm, der schwierigste auch! Am anderen Ufer, eigentlich ist es gar kein Ufer. Eine zweieinhalb Meter hohe schräg abfallende Wand und nur mit krätigem kraxseln zu überwinden. Mit Rucksack... schwierig, sehr schwierig da die Wand direkt ins Wasser reicht ohne Rand. Das heisst direkt vom Wasser in die Wand... hmmm...


Für heute ist es genug und müssen es für heute sein lassen.

Wir entscheiden uns am Fluss zu übernachten, in der Hoffnung, das der Pegel des Wassers zurückgeht, damit wir leichter über den Fluss kommen.

 

Mit lauen Gefühl im Magen, an den nächsten Morgen denkend,  schlagen wir müde unser unser Zelt auf.

Jökufall

 

Der Fluss ist auch während der Nacht ziemlich laut. Wir hätten weiter weg vom Fluss übernachten sollen, das ständige Rauschen wirkt angsteinflössend.

Zelt Jökufall


Tag 5

Am nächsten Morgen ist der Pegel nicht gesunken, sondern gestiegen. Oh je. Wir sind nervös nochmals Furten zu müssen, um nach Hveravellir zu kommen.

Wir  versuchen das ganze jetzt bei einer anderen Stelle. Zwei Arme sind wieder überquert, wir stehen mit wirklich mulmigen Gefühl vor dem dritten Arm.

 

Ok, ich gehe rein ins Vergnügen und machen den dritten Versuch. Ich wate konzentiert, mich gegen die Wassermassen stemmend bis zur Häfte durch. Die Tritte werden sehr unsicher, das Wasser völlig trübe und reicht bis über meine Oberschenkel.

 

Das ist auch mir zuviel und ich mache mir sorgen um unsere Sicherheit. Wir brechen ab. Diana schlägt vor, die Tour ganz abzubrechen und nach Geysir zurück zu gehen Was zurück??? Bei diesem Gedanken rebelliert mein Ego wie wild, „kommt gar nicht in Frage“! Ist meine Antwort.

 

Wir suchen fünf Kilometer aufwärts und fünf Kilometer abwärts, entlang des Jökufalls und  finden beim besten Willen keine Stelle zum Überqueren. Die Hosen habe ich nicht mal mehr angezogen, im Falle einer guten Passage. Nach drei Stunden willige auch ich ein. Wir finden einfach nicht die richtige Stelle. Wir sagten schon zu Hause, dass wir kein Risiko eingehen werden und das war hier war jetzt der Fall.

Sacha

 

 

Also, es ist jetzt beschlossene Sache. Wir wandern die ganze Strecke zurück. Mein Gott hat mich das vielleicht ange..tzt.

 

Bei schönem Wetter erreichen wir noch am selben Tag die Hütte Svinarness. Es ist schon später Abend. Kaum angekommen sehen wir sechs Isländische Touristen mit einem kundigen Führer. Sie sind mit ca. zwanzig Islandponys unterwegs. Spontan packt der Guide eine Flasche guten Rotwein aus und offeriert uns je ein Glas. Ja das war schon was. Super!

 

Wir besprachen mit ihm die Lage, „Harry“ hiess er und berichtetem ihm unser Scheitern und den Abbruch unseres Trekks.

 

Er ermutigte uns weiter Richtung Norden zu gehen, es hätte 30 Kilometer weiter oben eh eine Brücke die den Jökkufall überquert… was auf der Island Karte nicht eingezeichnet war!

 

Und überhaupt, wir sollten die Hütte Hveravellir vergessen und stattdessen nordöstlich in Richtung Kerlingarfjöll gehen, was sich dann im Nachhinein als goldrichtig erwies und um einiges schöner ist.

 


Tag 6

Glücklich, dass es jetzt doch „vorwärts“ ging marschierten wir zur Hütte Leppistungur.

Kerlingarfjöll

 

Wir treffen auf eine Isländische Familie die sich in der Hütte eingerichtet hat. Wir campieren an einem kleinen Bächlein, die Sonne scheint.Wir gehen barfuss umher und waschen unsere Kleidung mit biologischer Seife in Bach. Wir sind müde, aber glücklich.

 

Der Kocher summt leise vor sich hin. Die Welt ist wieder in Ordnung. Wir schlafen wie die Bären. Diana kleiner "Bär"...Sacha grosser "Bär"... na sagen wir "mittelgrösser..." ;-)

 


Tag 7

Aufbruch Richtung Norden, Richtung Kerlingarfjöll.

Natürlich, Furten gehört jetzt zum täglich Brot, zwei Minuten nach dem du deine Schuhe so richtig gut festgezurrt hast. Also ziehst du sie halt wieder aus.

Wir haben uns für heute das Gebirge von Kerlingarfjöll vorgenommen. Wir marschieren los,  27 Kilometer. Wir machen im Abstand von einer Stunde immer wieder eine kurze Rast, ohne den Rucksack auszuziehen. Um 14.00 gibt es dann bei einer grösseren Pause eine Nudelsuppe.

Wir winden uns bei Kilometer 27 die letze Biegung hinauf und siehe da, der Camping ist erreicht. Und schon kommt uns wieder ein Isländer mit zwei Flaschen Hochprozentigem entgegen.

 

Wir trinken einen guten Schluck, offenbar sind Rucksackreisende sehr willkommen und die Strapazen werden mit ewas Alkohol dafür belohnt.

Das einfache Restaurant kam uns vor wie ein 5 Sterne Saal. Jede Pommes Frites ein Leckerbissen, jeder Schluck Kaffee der edelst Genuss

 


Tag 8

Wir machen eine Wanderung ohne Rucksack ins Gebirge. Überall raucht und zischt es aus allen Löchern. Unglaublich wie angenehm es jetzt ist ohne Rucksack zu gehen. Die noch so steilsten Aufstiege schaffen wir völlig mühelos, es scheint fast so, als würdest du in einem Lift stehen der dich aufwärts zieht.

 

Noch am selben Tag werden wir per Jeep an die fünf Kilometer entfernte Bushaltestelle gefahren, wo wir den Bus in Richtung Akureyri nehmen. Von dort aus geht es für neun Tage mit dem Auto weiter.

Bus

 

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